„Nachhaltige Architektur verfolgt keinen Selbstzweck, sondern ist das Ergebnis eines Austarierens zwischen den Qualitäten für die Nutzenden, den architektonischen und städtebaulichen Qualitäten, einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und einer langfristigen Bezahlbarkeit“, sagt Prof. Amandus Samsøe Sattler, DGNB Präsident und Vorsitzender der Jury. „Den neun Nominierten in diesem Jahr ist genau das auf ihre individuelle, jeweils beeindruckende Art und Weise gelungen. Es sind allesamt lebendige Orte für Menschen, an denen man sich gerne aufhält. Räume, wie es sie viel häufiger geben sollte.“
Beispielgebende Orte des Lernens und Lebens
Der Moabiter Kinderhof in Berlin ist für die Jury ein Vorzeigeprojekt sozialer Teilhabe. Der Kinder- und Jugendtreff besteht aus fünf unterschiedlich hohen, zueinander versetzten Holzkuben, die sich mit geringer Flächenversiegelung zurückhaltend in den vorhandenen Baumbestand einfügen. Durch differenzierte Innen- und Außenräume eröffnet die Architektur vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, die neben Kindern und Jugendlichen auch anderen Gruppen aus der Nachbarschaft zur Verfügung stehen.
Die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn liefert eine zukunftsweisende Antwort auf die Herausforderungen dichter, innerstädtischer Standorte. Das in Holz-Stahl-Hybridbauweise konstruierte Projekt zeigt beispielhaft, wie sich hochwertige Bildungsräume, klimaangepasste Freiräume und ein sparsamer Umgang mit wertvollem Stadtraum miteinander verbinden lassen. So setzt das Projekt nicht nur mit seinem Lowtech-Energiekonzept Maßstäbe für den Bildungsbau der Zukunft.
Der Neubau der Feuerwache Kaiserswerth in Düsseldorf zeigt eindrucksvoll, dass anspruchsvolle Sicherheitsarchitektur, höchste Funktionalität und ganzheitliche Nachhaltigkeit sich gegenseitig ergänzen können. Auch dank der innovativen Holz-Hybridbauweise mit einer Fassade aus regional wiederverwendeten Klinkern dient das in einem sensiblen landschaftlichen Kontext errichtete Gebäude als Vorbild einer neuen Generation öffentlicher Bauten.
Lowtech in unterschiedlichster Form
Das mit einem Lowtech-Komfort- und Lüftungskonzept umgesetzte Bürogebäude ZERO. in Stuttgart überzeugt mit einer hohen Aufenthaltsqualität, geringen Emissionen in der Konstruktion und einem Energiekonzept, das auf einen klimaneutralen Gebäudebetrieb ausgerichtet ist. Auf Basis eines modularen Holzsystems wurden in kurzer Bauzeit nahezu 300 vorgefertigte Raummodule in ein ressourcenschonendes Gebäudekonzept überführt, das flexibel anpassungsfähig ist und eine hohe gestalterische Qualität zeigt.
Beim denkmalgeschützten Verwalterinnenhaus der Komturei Werben haben umfangreiche partizipative Prozesse dazu geführt, dass die Revitalisierung auf sorgfältige und qualitätsvolle Weise erfolgt ist. Die energetische Sanierung folgte einem effizienten Lowtech-Ansatz, der die thermische Masse des bestehenden Mauerwerks nutzt. Die Jury lobt das Projekt als herausragendes Beispiel für die Aktivierung und den Umgang mit bestehender Bausubstanz im ländlich geprägten, strukturschwachen Raum.
Der Umbau des Kultur- und Kommunikationszentrums naTo in Leipzig zeigt exemplarisch, wie sich ein bestehendes Kulturgebäude durch die konsequente Weiterverwendung vorhandener Ressourcen zukunftsfähig transformieren lässt. Re-Use wird dabei nicht als gestalterisches Leitmotiv in den Vordergrund gestellt, sondern selbstverständlich in Konstruktion und Entwurf integriert, was dem Gebäude eine eigenständige, zeitgenössische Architektursprache verleiht.
Drei Wohnbauprojekte unter den Nominierten
Ebenfalls in Leipzig befindet sich das gemeinschaftlich getragene Wohnprojekt K10, welches Suffizienz, Resilienz und Kreislaufwirtschaft als Leitgedanken zusammenführt. Auf einer brachliegenden Fläche entstand auf den erhaltenen Kellerresten ein kompaktes, energieeffizientes Lowtech-Gebäude, das Baumaterialien konsequent wiederwendet und offensiv zeigt. Es wurde in ressourcenschonender Holzbauweise sowie mit einem langlebigen, anpassungsfähigen Bausystem realisiert.
In Ingolstadt steht das von einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft gebaute „Haus (fast) ohne Heizung“. Der durchgängige, zweimal abgeknickte Baukörper mit 15 Wohneinheiten ist prototypisch für die Schaffung von klimagerechtem, attraktivem und bezahlbarem Wohnraum. Die Planung folgte konsequent dem Suffizienzgedanken, was das Projekt zu einem relevanten Impuls zur Rückbesinnung auf einfache Mittel der Baukunst macht.
Die energetische Sanierung und Aufstockung des 1927 erbauten Gelben Blocks in München ist ein gelungenes Beispiel für eine den Bestand weiterdenkende Umbaukultur, bei der die Qualität einer doppelten Innenentwicklung deutlich wird. Über die Aufstockung um zwei Vollgeschosse konnten 45 neue Obergeschosswohnungen barrierefrei ausgebildet werden, während auch der Wohnwert der 169 Bestandswohnungen erheblich gesteigert wurde – und das bei vergleichsweise niedrigen Mieten.
Preisverleihung beim Forum Nachhaltige Architektur in Mannheim
Welche der neun nominierten Projekte es unter die Finalisten des diesjährigen Wettbewerbs schaffen und wer als Gewinner beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur hervorgeht, entscheidet sich am 21. Oktober 2026. Der Rahmen hierfür ist wie im vergangenen Jahr das Forum Nachhaltige Architektur – ein Architekturkongress, den die DGNB im vergangenen Jahr erstmals ausgerichtet hat.
In diesem Jahr findet die Veranstaltung in Mannheim statt. Als Partner mit dabei sind die Architektenkammern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Zusätzlich wird das siegreiche Projekt am 3. Dezember 2026 während der abendlichen Preisverleihung des 19. Deutschen Nachhaltigkeitspreises in Düsseldorf gezeigt.
Zur interdisziplinär besetzten Jury des Wettbewerbs zählten in diesem Jahr neben dem Vorsitzenden Prof. Amandus Samsøe Sattler (ensømble Studio Architektur Berlin) noch Dr. Stephanie Bock (Deutsches Institut für Urbanistik), Martin Haas (haascookzemmrich – STUDIO2050), Prof. Thorsten Helbig (knippershelbig, Hochschule Darmstadt), Prof. Florian Kaiser (Atelier Kaiser Shen, Karlsruher Institut für Technologie), Prof. Dr. Maren Kohaus (Technische Hochschule Rosenheim, sustainable architecture), Jasna Moritz (kadawittfeldarchitektur), Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur), Gabriele Pfründer (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) und Prof. Matthias Rudolph (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart).
Die Übersicht über alle Nominierten sowie die jeweiligen Jurybegründungen stehen online unter www.dgnb.de/dnp-architektur zur Verfügung.
Alles zum Programm des Forum Nachhaltige Architektur sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter www.forum-nachhaltige-architektur.de.
Die nominierten Projekte in der Übersicht (in alphabetischer Reihenfolge):
Haus (fast) ohne Heizung, Ingolstadt
- Bauherrin: Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH
- Architektur: nbundm* *neuburger, bohnert und müller Architekten BDA und Stadtplaner Partnerschaft mbB
Josef-Schwarz-Schule, Heilbronn
- Bauherrin: Schwarz Immobilienmanagement GmbH & Co. KG
- Architektur: Behnisch Architekten
- Weitere Projektbeteiligte: aha-laborplanung (Laborplanung); Bartenbach GmbH (Lichtplanung); BIT Ingenieure (Verkehrsplanung); BuP. Boll Beraten und Planen Ingenieurgesellschaft mbH & Co. KG (Prüfstatik); CUT GmbH (Medienplaner); Sachverständige Sage Popp Schagemann (Sachverständige Dachabdichtung und Entwässerung); DEKRA (SiGeKo); Ernst2 Architekten (Objektüberwachung); Gutbrod Bau Physik Ingenieurbüro GmbH (Bauphysik); ibb Burrer & Deuring Ingenieurbüro GmbH (Elektro); Ingenieurbüro Henne und SODA Project & Design GmbH (Küchentechnik); KuB Fassadentechnik OG (Fassade); Kurz und Fischer GmbH (DGNB Auditor); Planstatt Senner (Landschaftsplanung); Rentschler und Riedesser Ingenieurgesellschaft mbH für Technik im Bau (HLS); Schlaich, Bergermann & Partner (Tragwerk); Sinfiro GmbH & Co. KG (Brandschutz); Smoltczyk & Partner GmbH – Geotechnik Hydrogeologie Umwelttechnik (Geologe); Transsolar Energietechnik GmbH (Klimatechnik)
K10 – CLUSTER LIVING REUSE, Leipzig
- Bauherrin: KLINGE ZEHN GmbH, Leipzig
- Architektur: ASUNA – atelier für strategische und nachhaltige architektur – Dirk Stenzel
- Weitere Projektbeteiligte: Hüls Ingenieure Tragwerke aus Holz; IEBW – Ing.Büro für Energieeffizientes Bauen und Wohnen; Klinge 10 e.V. + Praxis Klinge 10 eG
Leben im Gelben Block, München
- Bauherrin: Wohnungsgenossenschaft München-West eG, München
- Architektur: zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH, München
- Weitere Projektbeteiligte: LEICHT GmbH (Tragwerksplanung); LEICHTphysics GmbH (Bauphysik); Schüller Landschaftsarchitekten (Freiraumplanung); TGA Planung für technische Gebäudeausrüstung GmbH (HLSE)
Moabiter Kinderhof, Berlin
- Bauherr: Berlin, Bezirksamt Mitte, Abt. Jugend, Familie und Bürgerdienste/Jugendamt, Jugendhilfeplanung
- Architektur: Kersten Kopp Architekten GmbH, Berlin
- Weitere Projektbeteiligte: brandschutz plus GmbH (Brandschutzplanung); DELTA-i GmbH (Gebäudetechnik); Henningsen Landschaftsarchitekten PartG mbB (Landschaftsarchitekt); IB Kaiser GmbH (Bauphysik); Pichler Ingenieure GmbH (Tragwerksplanung)
Neubau Feuerwache Kaiserswerth, Düsseldorf
- Bauherrin: Stadt Düsseldorf, Stadtverwaltung Düsseldorf
- Architektur: Buddenberg Tauchmann Architekten Düsseldorf
- Weitere Projektbeteiligte: Derichs und Konertz Baugesellschaft mbH und Co. KG; Landeshauptstadt Düsseldorf
Umbau naTo e.V., Leipzig
- Bauherr: Soziokulturelles Zentrum naTo e.V. / Kulturamt der Stadt Leipzig
- Architektur: SUMMACUMFEMMER Architekt*innen PartGmbB
- Weitere Projektbeteiligte: Akib (Schallschutz); Brandschutzbüro Hahn (Brandschutz); Büro für Baustatik Förtsch (Tragwerksplanung); GW Plan (HLKSE); Ingenieurbüro Wieczorek (SiGeKo)
Verwalterinnenhaus, Komturei Werben, Werben (Elbe)
- Bauherrin: Sabine Kühlcke
- Architektur: AADA; AFEA; ammi; patrick holzer; undjurekbrüggen
- Weitere Projektbeteiligte: Baubetrieb Flatun (Fassadensanierung); Baugeschäft Sven Sabitzer (Kalkestrich, Kalkbeton und Maurerarbeiten); Baumschulhandel Udo Schwander (Umgebungsarbeiten); Bautischlerei Thomas Haubelt (Innentüren und -fenster); Bau- und Möbeltischlerei Dähne GmbH (Fenster- und Außentüren); EiSat GmbH (Tragwerksplanung); Elektro Manz GmbH (Niederspannungsanlagen); Fliesen-Bau Lothar Schmegel GmbH (Fliesenarbeiten); Gebr. Johannsen (Metallbau Geländer und Außenleuchten); IMAG Bau GmbH (Kalkarbeiten); Karsten Noffke (Wasser-, Wärme-, Lüftungsversorgung); KRP Architektur GmbH (Energieplanung); Nicolas Klimmt Tischlerei (Sauna); Ollendorf beratende Ingenieure (Brandschutz); Thein und Rios GmbH (Metallbauarbeiten Balkone und Gauben); Thomas Heinemann (Malerarbeiten); Tischlerei Berndt (Treppen und Einbaumöbel); Tischlerei Sasse (Holzbekleidung); Thomas Krebs Dachdeckermeister (Dachdeckungsarbeiten); Tobias Titz (Lehm- und Maurerarbeiten); Zimmerei Blümner (Zimmer- und Holzbauarbeiten); Zimmerei Hoffmann (Holzbauarbeiten Innenausbau)
ZERO., Stuttgart
- Bauherrschaft: S111 GmbH; EEW GmbH
- Architektur: RIEHLE KOETH
- Weitere Projektbeteiligte: Alpha IC (Zertifizierung); CAPE Binder Hillnhütter Deisinger (Bauphysik); CPM GmbH Gesellschaft für Projektmanagement (Projektsteuerung); DEKRA (Brandschutz); Freiraumplanung Sigmund (Freianlagen); Kaufmann Bausysteme, Zimmerei Stark, Baumgarten GmbH, BS Holzmodulbau (Ausführung Holzbau:); merz kley partner (Tragwerksplanung); Neher Butz Plus (ELT); Rothe Bauphysik (Bauakustik); Transplan Technik-Bauplanung (HLSK); Transsolar Energietechnik (Klimaengineering); VEES | PARTNER (Geotechnik)
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit über 2.800 Mitgliedsorganisationen Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Ziel des Vereins ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem hat die unabhängige Non-Profit-Organisation ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude und Quartiere entwickelt, das dabei hilft, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Dabei fußt das DGNB System auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über die Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem bereits mehr als 12.000 Personen in über 60 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen qualifiziert.
Partener Principal
MATEK Build Smart